Ein Prompt ist deine Eingabe
Das englische Wort prompt bedeutet so viel wie „Aufforderung“ oder „Anstoß“. Bei KI-Systemen wie ChatGPT, Claude oder Gemini ist der Prompt alles, was du ins Eingabefeld schreibst: eine Frage, eine Bitte, ein eingefügter Text, ein hochgeladenes Dokument oder eine Kombination davon.
Ein Prompt kann aus drei Wörtern bestehen („Übersetze ins Englische:“) oder aus einer ganzen Seite mit Hintergrundinformationen. Länge ist dabei kein Qualitätsmerkmal. Entscheidend ist, ob die KI alles bekommt, was sie für eine passende Antwort braucht.
Das Wichtigste in einem Satz
Die KI kennt nur, was in deinem Prompt steht. Alles, was du weglässt, muss sie raten.
Ein guter Vergleich: Stell dir vor, du gibst eine Aufgabe an eine sehr fähige neue Kollegin, die heute ihren ersten Tag hat. Sie ist schnell und belesen, kennt aber weder dich noch dein Projekt noch eure Gepflogenheiten. Was müsstest du ihr sagen, damit sie die Aufgabe gut erledigt? Genau das gehört in einen Prompt.
Was das Sprachmodell daraus macht
Hinter Chat-Werkzeugen wie ChatGPT steckt ein großes Sprachmodell (englisch Large Language Model, kurz LLM). Es wurde mit riesigen Textmengen trainiert und hat dabei gelernt, wie Sprache, Wissen und Argumentation typischerweise zusammenhängen.
Dein Prompt
Frage, Aufgabe, Kontext und eventuell angehängte Dateien.
Das Modell
Erkennt, was gemeint ist, und erzeugt Wort für Wort eine wahrscheinlich passende Antwort.
Die Antwort
Ein Vorschlag – kein geprüftes Ergebnis. Du entscheidest, was du übernimmst.
Drei Eigenschaften solltest du kennen:
- Es arbeitet mit dem, was im Gespräch steht. Dein Prompt, die bisherigen Nachrichten und angehängte Dateien bilden den sogenannten Kontext. Manche Werkzeuge haben zusätzlich eine Gedächtnisfunktion, aber darauf solltest du dich nicht verlassen.
- Es formuliert immer überzeugend. Auch wenn eine Information fehlt, entsteht meist ein flüssiger Text. Das Modell füllt Lücken mit plausiblen Annahmen – manchmal sind sie falsch.
- Viele moderne Modelle denken vor der Antwort nach. Sogenannte Reasoning-Modelle zerlegen schwierige Aufgaben intern in Zwischenschritte. Das verbessert die Ergebnisse bei komplexen Fragen, ersetzt aber keinen guten Kontext.
Genauer: Wie entsteht eine Antwort technisch?
Das Modell zerlegt Text in kleine Einheiten, sogenannte Tokens (Wortteile, Wörter, Satzzeichen). Bei der Antwort berechnet es immer wieder, welches Token als Nächstes am besten passt – auf Basis deines Prompts und dessen, was es bereits geschrieben hat.
Deshalb wirkt sich jede Information im Prompt auf die gesamte Antwort aus. Und deshalb kann dieselbe Frage zweimal leicht unterschiedliche Antworten liefern: Die Wortwahl enthält bewusst etwas Spielraum.
Ein Sprachmodell schlägt Fakten nicht automatisch in einer Datenbank nach. Manche Werkzeuge kombinieren es aber mit einer Websuche oder mit deinen Dokumenten. Dann kann es aktuelle Informationen nutzen und Quellen nennen.
Warum Kontext so wichtig ist
Kontext sind alle Informationen, die über die eigentliche Frage hinausgehen: deine Situation, dein Ziel, deine Zielgruppe, das gewünschte Format. Ohne Kontext bekommst du eine Antwort, die für „irgendjemanden“ passt. Mit Kontext bekommst du eine Antwort, die für dich passt.
Probier es aus: Kontext ergänzen
Wähle aus, welche Informationen du dem Prompt hinzufügen möchtest, und beobachte, wie aus einer allgemeinen Bitte eine konkrete Aufgabe wird.
Gib mir Tipps für ein Vorstellungsgespräch.
Das Modell muss fast alles raten. Die Antwort wird allgemein.
Keine der Ergänzungen ist ein „Trick“. Es sind einfach die Informationen, die auch ein menschlicher Coach als Erstes von dir wissen wollte.
Frage, Anweisung, komplexe Aufgabe
Nicht jeder Prompt braucht viel Kontext. Wie viel du schreiben solltest, hängt davon ab, was du von der KI willst.
Frage
Was ist der Unterschied zwischen brutto und netto?
Allgemeines Wissen, eindeutige Antwort. Ein Satz reicht. Bei wichtigen Fakten trotzdem gegenprüfen.
Anweisung
Fasse diesen Artikel in fünf Stichpunkten für meinen Chef zusammen.
Die KI soll etwas tun. Sag, was mit welchem Material passieren soll und wie das Ergebnis aussieht.
Komplexe Aufgabe
Hilf mir, die Einführung einer neuen Software im Team zu planen …
Mehrere Schritte, Abwägungen, eine bestimmte Zielgruppe. Hier lohnen sich Kontext, Ziel, Rahmenbedingungen und ein Dialog in mehreren Runden.
Beispiele aus dem Alltag
Drei typische Situationen: links die schnelle Variante, rechts eine, die bessere Ergebnisse liefert.
Ein Rezept finden
Gib mir ein Rezept für heute Abend.
Schlag mir ein vegetarisches Abendessen für zwei Personen vor, das in 30 Minuten fertig ist. Im Kühlschrank habe ich Paprika, Feta, Eier und Reis. Gib die Zutatenliste und die Schritte kurz an.
Einen Begriff verstehen
Was ist Inflation?
Erkläre mir Inflation so, dass ich es meinem 12-jährigen Sohn weitererzählen kann. Nutze ein Beispiel aus dem Supermarkt und halte dich an höchstens fünf Sätze.
Eine Nachricht formulieren
Schreib eine Absage für das Treffen.
Formuliere eine kurze, herzliche WhatsApp-Nachricht an meine Freundin Lea. Ich muss unser Treffen am Samstag absagen, weil meine Mutter Hilfe beim Umzug braucht. Ich möchte einen neuen Termin in der Woche danach vorschlagen.
Merkhilfe für jeden Prompt
Was soll passieren? Wofür brauchst du es? Was muss die KI über deine Situation wissen? Wie soll das Ergebnis aussehen?
Wie geht es weiter?
Du weißt jetzt, was ein Prompt ist und warum Kontext zählt. Der nächste Schritt sind die Prinzipien, die laut den offiziellen Anleitungen der großen KI-Anbieter heute am meisten bringen.